Polen im Überblick |
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Unter den mittel- und osteuropäischen Reformstaaten bleibt Polen der Wachstumsvorreiter. Die Eigendynamik des polnischen Aufschwung ist sehr stark. Die Attraktivität Polens liegt jedoch vor allem in der Vielzahl von Erfolgen, die das Land in dem so kurzen Zeitraum erreicht hat. Zu den wichtigen Erfolgselementen der polnischen Reformen zählen u.a. die Erhöhung des Lebensstandards der Bevölkerung, die Intensivierung des Handelsaustauschs mit dem Ausland, die Umgestaltung und Stabilisierung des Finanzsektors sowie die Annäherung Polens an die Europäische Union. Bereits seit dem 31. März 1998 finden zwischen Polen und der EU Gespräche zur Vorbereitung der Aufnahme in die EU statt. Zunächst werden sieben Bereiche behandelt, unter anderem das Telekommunikationswesen, audiovisuelle Medien und Wettbewerbspolitik. Die größten Aufgaben auf der polnischen Seite in der Vorbereitung der EU-Mitgliedschaft bestehen neben der weiteren Rechtsangleichung nach wie vor in einer markanten Produktivitätssteigerung in der Landwirtschaft sowie in der Privatisierung und Restrukturisierung des Stahlsektors. Gesetzliche Rahmenbedingungen. In den letzten Jahren kam in Polen zu wichtigen Änderungen in der Gesetzgebung, die den ausländischen Investoren den Zugang und die Tätigkeit auf dem polnischen Markt weiter erleichtern sollten. Dazu zählen vor allem die Liberalisierung des Rechts zum Erwerb von Grundstücken und Immobilien, die Vereinfachung von verschiedenen Genehmigungsverfahren oder günstigere Steuerbedingungen. Darüber hinaus wurden immer mehr rechtliche Regelungen novelliert und an die in den westeuropäischen Ländern geltenden Bestimmungen angepaßt. Ausländische Investoren, die in Polen eine wirtschaftliche Tätigkeit aufnehmen wollen, die auf der Führung eines Unternehmens beruht, können zwischen zwei organisatorischen Formen wählen. D.h. GmbH und AG. Die Grundlagen bildet hier das Gesetz über Gesellschaft mit ausländischer Beteiligung vom 14. Juni 1991 (Joint-Venture-Gesetz) mit der Novelle vom 4. Mai 1996. Die Gründung einer Gesellschaft in Polen bedarf gegenwärtig keiner Genehmigung. Die bisher bestehenden Ausnahmen wurden durch früher erwähnte Novelle aufgehoben. Wirtschaftsstruktur/ Privatisierung. Die Landwirtschaft und der Bergbau haben in Polen immer noch eine viel höhere Bedeutung als in den westlichen Industrieländern, obwohl die Bereiche zu den Verlieren der Wirtschaftsreform zählen. In der klein bäuerlich geprägten Landwirtschaft ist rund ein Viertel der polnischen Erwerbstätigen beschäftigt. Ihr Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung wird in den kommenden Jahren weiter sinken. Deutlich gewachsen ist in der letzten Jahren der Anteil der Dienstleistungen am Bruttoinlandsprodukt. Der Anteil der Bauwirtschaft, der sich 1997 im Vorjahresvergleich von 5,3 auf 5,7% erhöhte, nimmt durch den gegenwärtigen Bauboom ebenfalls weiter zu. Der private Sektor erwirtschaftete 1998 fast zwei Drittel des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Der relativ hohe private Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Wirtschaftsleistung ist vor allem auf die zahlreichen Neugründungen privater Unternehmen und deren dynamische Entwicklung zurückzuführen. Nach offiziellen polnischen Angaben sind mehr als 95% aller wirtschaftlichen Betriebe in privater Hand. Dieser Anteil ist durch die Masse der privaten Kleinunternehmen bestimmt. Wachstum. Bereits seit 1992 ist Polen unter den mittel- und osteuropäischen Reformstaaten der Wachstumsvorreiter. Daran wird sich auch 1999 nicht viel ändern. 1998 nahm das polnische Bruttoinlandsprodukt (BIP) real um 4,8% zu. Im Vergleich zu 1997 (Wachstumsrate 6,8%) bedeutet das zwar einen Rückgang der Steigerungsrate dennoch im internationalen Vergleich weiterhin einen sehr hohen Zuwachs. Für das Jahr 1999 wird ein reales BIP-Wachstum von etwa 4,0% prognostiziert. Industrie. Die verkaufte Industrieproduktion (verarbeitende Industrie, Bergbau und Energie) erhöhte sich 1998 insgesamt um 4,8%. Die verarbeitende Industrie verzeichnete 1998 mit einer Steigerung um 6,7% wiederum (1997: 13,5%) einen überdurchschnittlichen Produktionsanstieg. Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote in Polen befindet sich derzeit auf einem Niveau, das mit dem in der Europäische Union zu vergleichen ist. Sie betrug Ende 1998 10,4%. Dabei bestehen krasse Unterschiede in der regionalen Verteilung der Arbeitslosigkeit. Während im Raum Warschau, Posen und Krakau faktisch bereits seit einiger Zeit eine Vollbeschäftigung herrscht und in anderen Regionalzentren ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften besteht, weisen einige der ländlichen Regionen besonders im Norden Polens Arbeitslosenquoten von deutlich über 15% auf. Die offiziellen durchschnittlichen Bruttomonatslöhne (ohne Personalzusatzkosten) im Unternehmenssektor haben sich nach Angaben des polnischen Zentralamtes für Statistik (GUS) 1998 gegenüber dem Vorjahr um nominal 15,3% auf 1.340 PLN erhöht. Auf DM-Basis bedeutet das unter Berücksichtigung der Wechselkursentwicklung eine Steigerung von 615 auf 674 DM. Die weitere Entwicklung am Arbeitsmarkt wird sehr stark von der Lösung struktureller Probleme geprägt werden. Vor allem in der polnischen Landwirtschaft, in der immer noch rund ein Viertel aller Erwerbstätigen arbeiten, gibt es im internationalen Vergleich eine eklatante Überbeschäftigung, die in den kommenden Jahren zu einer Freisetzung zahlreicher Arbeitskräfte führen wird. Inflation. Der Anstieg der Verbraucherpreise hat sich im Jahresverlauf 1998 deutlich verringert. Im Oktober 1998 wurde erstmals eine einstellige Preissteigerungsrate registriert. Im Jahresdurchschnitt 1998 betrug die Inflationsrate 11,8% (1997: 14,9%). Wechselkurs. Der Zloty hat sich in den vergangenen beiden Jahren als widerstandsfähige und krisenfeste Währung erwiesen. Trotz heftiger Turbulenzen auf den internationalen Finanz- und Devisenmärkten hat sich der Zlotykurs stabil entwickelt. Gegenüber der DM betrug der Zlotykurs Ende Juni 1999 2,10 ZL/DM. Außenhandel. Der Ausbruch der Rußlandkrise im August 1998 bedeutete für den polnischen Außenhandel einen gravierenden Einschnitt. Die Defizite in der polnischen Handels- und Leistungsbilanz hatten sich stabilisiert. Auf nominaler US$-Basis stiegen die polnischen Einfuhren um gut 14% auf 43,9 Mrd. US$. Die Exporte legten um gut 11% auf 30,3 Mrd. US$ zu. Die polnische Inlandsnachfrage dürfte weiterhin stärker als in den EU- und in den meisten anderen MOE-Staaten steigen. Nach der Prognose werden die polnischen Exporte 1999 insgesamt um 8% auf 32,8 Mrd US$ zunehmen. Für die Importe erwartet ist dagegen eine Steigerung um 9,5% auf 48,1 Mrd US$, woraus sich ein geschätzter Anstieg des Handelsbilanzdefizits auf 15,3 Mrd US$ ergibt.
Ausländische Direktinvestitionen. Polen ist inzwischen mit deutlichem Vorsprung der führende Investitionsstandort in Mittel- und Osteuropa. Investitionen mit ausländischen Beteiligung sind in Polen mehr denn je willkommen und die Überzeugung, daß der an Auslandsinvestitionen gebundene Transfer von Kapital und Know-how die eigene wirtschaftliche Entwicklung fördert und zusätzliche Arbeitsplätze schafft, ist weit verbreitet. Zur Erhöhung der gesellschaftlichen Akzeptanz für den Zufluß des fremden Kapitals trugen wesentlich die positiven Ergebnisse der von westlichen Unternehmen in Polen getätigten Investitionen bei. Auch die Zahl der deutschen Unternehmen, die sich im Nachbarland Polen engagieren, steigt ständig. Dabei überzeugen besonders die wachsende Kaufkraft eines aufstrebenden Marktes mit knapp 40 Millionen Einwohnern, davon über 17 Millionen Erwerbstätige, sowie die günstigen Produktionsbedingungen. Der kumulierte Wert der ausländischen Direktinvestitionen betrug bis Ende 1998 rund 30,7 Mrd. US-Dollar. Nur im ersten Quartal 1999 betrugen die ausländischen Investitionen ca. 1,5 Mrd. US-Dollar. Für das gesamte Jahr 1999 werden insgesamt 11 Mrd. US-Dollar prognostiziert. Im Vordergrund dies Engagement steht die in Polen boomende Autoindustrie, die 1996 ein Absatzplus von 41% verzeichnen konnte. Hier ist traditionell Fiat als größter ausländischer Investor mit über 1 Milliarde Dollar präsent. Stark engagiert sich aber auch der koreanische Daewoo-Konzern mit knapp über 400 Millionen Dollar. Für dieses Unternehmen bildet Polen als künftiges EU- Mitglied den strategischen Einstieg in die westlichen Märkte mit weitreichenden Plänen auch im Zulieferbereich. Von großer Bedeutung ist hier auch der Aufbau des Automobilwerkes von GeneralMotors/Opel in Gliwice in einer Größenordnung von etwa 470 Millionen DM. Einen wesentlichen Anteil an Wachstum und Modernisierung der Wirtschaft in Polen haben auch andere ausländische Großinvestoren wie PepsiCo, Philip Morris und aus Deutschland Reemtsma, Siemens sowie verschiedene deutsche Banken. Der größte Teil der ausländischen Investitionen fließt in die produzierende Industrie (63%). Zu den beliebtesten Branchen zählt die Nahrungsindustrie, in der sich auch die deutsche Wirtschaft mit vielen namhaften Unternehmen wie Tschibo, Ludwig, Schöller, Südzucker. Dr.Oetker und andere stark engagierte. Sehr attraktiv sind ebenfalls Branchen wie die Automobil-, Chemie-, Papier-, und Elektroindustrie. Im starken Aufschwung befindet sich auch der Dienstleistungsbereich. Ende 1998 waren nach offiziellen Angaben 36.850 Unternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiliung registriert. Aufgeteilt nach der Gesellschaftsform, handelte es sich dabei um 1.010 Aktiengesellschaften und 35.840 Gesellschaften mit beschränkter Haftung (Sp. z o.o.) Deutsche Direktinvestitionen in Polen. Die deutsche (Netto-) Direktinvestitionen in Polen beliefen sich nach Angaben der Deutschen Bundesbank in der ersten drei Quartalen 1998 auf 1,602 Mrd DM. Damit wurde bereits die Größenordnung des Gesamtjahres 1997 erreicht. Das deutsche Engagement in Polen fiel damit erneut deutlich höher als in allen anderen MOE-Staaten aus. Der größte deutsche Investor in Polen ist bislang die Metro AG, die bis zur Jahresmitte 1998 im Groß- und Einzelhandel 537 Mio US$ investierte. In der Rangliste der größten ausländischen Investoren nahm das Unternehmen damit Mitte 1998 den 5. Platz ein. Zu anderen Großprojekten, die von deutschen Unternehmen angekündigt oder realisiert wurden, zählen:
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