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Software-Entwicklung - ein strategisches Feld der Ost-West-Kooperation |
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Die Gestaltung der Europäischen Informationsgesellschaft ist mit Blick auf den Übergang ins nächste Jahrhundert eine gemeinsame strategische Aufgabe West- und Osteuropas. Kaum ein anderer Bereich der Technologieentwicklung und Technologieanwendung ist von einer derart hohen Dynamik gekennzeichnet und spiegelt sich im Wachsen der IT-Branche wider. Der Bedarf an Spezialisten, insbesondere im Bereich der Software-Entwicklung, wird von Experten derart hoch eingeschätzt, so daß die Informatik-Fakultäten an den deutschen Hochschulen in den nächsten Jahren ihn nicht decken können. Manche sprechen von 100 Tausend Software-Entwicklern und Systemingenieuren, die in naher Zukunft in Deutschland fehlen bzw. dringend gebraucht werden. Seit Beginn der 90er Jahre entwickeln sich auch in den Ländern Mittel- und Osteuropas Tausende kleine und mittelständige Unternehmen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien. Dieses gewaltige Innovationspotential, das sich in der Regel auf eine exzellente akademische Ausbildung stützen kann, gilt es auch durch die Entwicklung der Ost-West-Kooperation zu nutzen. Nicht wenige Unternehmen in Deutschland haben diese Chancen erkannt und Kooperationsbeziehungen entwickelt, Niederlassungen eröffnet oder Joint-Ventures gegründet. Auftragsprogrammierung, Implementierung von Software aus Deutschland in Osteuropa, Software-Export oder gemeinsame Entwicklungsprojekte sind der Gegenstand. Der vorliegende Katalog SPIRIT soll dazu beitragen, diese Entwicklung zu fördern und im Rahmen der Soft-East-Initiative helfen, die Potentiale der Software-Entwicklung in Osteuropa weiter zu erschließen. Vorgestellt werden in dieser ersten Ausgabe insgesamt 71 Unternehmen aus Rußland, Ukraine, Weißrußland sowie aus Litauen und Lettland. Nicht zu übersehen ist, daß auch andere mittel- und osteuropäische Länder, wie Tschechien und Slowakei, Polen, Bulgarien, Ungarn und Rumänien über interessante Ressourcen verfügen, die in einer künftigen Ausgabe vorgestellt werden sollen. Wir wollen die in diesem Katalog erfaßten Unternehmen kurz charakterisieren. Es handelt sich, wie international für die IT-Branche typisch, in der Regel um junge innovative und sich teilweise schnell entwickelnde Unternehmen. Das Durchschnittsalter der vorgestellten Unternehmen liegt bei 8 Jahren, wobei jedoch 93 % in den letzten zehn Jahren, d.h. seit 1989 gegründet wurden. Lassen wir die vor 1989 geschaffenen Forschungszentren, Computerzentren der Akademie der Wissenschaften oder Informatik-Fakultäten von Universitäten außer Acht, so verringert sich das Durchschnittsalter der Unternehmen auf 6 Jahre. Viele der vorgestellten Unternehmen sind spin-off-Unternehmen aus Hochschulen heraus. Sie knüpfen dabei oft an Traditionen eigener akademischer Schulen der Informatik an, ob in Kiev, Moskau, St. Petersburg, Minsk, Novosibirsk, Vilnius oder Riga. Innovations- und Technologiezentren im Umfeld der akademischen Zentren können die Entwicklung von Software- und Telekommuni-kationsunternehmen sehr fördern. Ein Beispiel ist das Innovationszentrum der Technischen Universität Kaunas (Litauen), aus dem einige der hier vorgestellten litauischen Unternehmen kommen. Auch das Vorhaben zum Aufbau eines Innovations- und Technologiezentrums für Informations-technologien in St. Petersburg, das sich in der ersten Aufbauphase befindet und in diesem Katalog vorgestellt wird, verdeutlicht das Bemühen, Software-Potentiale zu bündeln und ihre Entwicklung bis hin zum Export mit verschiedenen Instrumenten zu fördern. Software-Entwicklung ist eine anspruchsvolle, innovative Entwicklungstätigkeit. Dies spiegelt sich auch in den Tätigkeitsbereichen der Unternehmen wider. 46 % der Unternehmen weisen aus, daß sie selbst auch Forschung betreiben. Neue Software-Produkte, die auf dem sich schnell entwickelnden Markt bestehen wollen, setzen die Verwertung von Forschungsergebnissen voraus. Unterschiedlich ausgeprägt sind solche Geschäftsfelder wie Produktion (42 %), Handel (39 %), Training (52 %) oder Consulting (59 %).
Hinsichtlich der Technologiebereiche nehmen Datenbanken und Netzwerktechnologien einen breiten Raum ein. Software-Entwicklung ist ein derart komplexer Arbeitsbereich, daß diese Unternehmen sich in der Regel nur wenig auf Hardware-Entwicklungen konzentrieren. Nur 23 % sehen auch die Hardware als Gegenstand der unternehmerischen Tätigkeit. Moderne Spezialbereiche der Informationstechnologie, die sich stürmisch entwickeln, spielen bereits eine bedeutende Rolle: Multimedia (34 %) und Künstliche Intelligenz (23 %).
Hinsichtlich der Anwendungen finden sich alle Bereiche der Wirtschaft und Gesellschaft wieder.
Der jährliche Umsatz liegt bei 2
Mio. US-$ im Durchschnitt. Er variiert jedoch zwischen 60 Tausend und 16
Mio. US-$. Er ist nicht unbedingt ein sicheres Kennzeichen für die
Leistungsfähigkeit des Unternehmens und dessen Wertschöpfung. Die Zahl
der Beschäftigten beträgt 77 Mitarbeiter im Durchschnitt. In jenen 46
Einrichtungen, die einen Umsatz ausgewiesen haben, liegt die Zahl der
Beschäftigten im Durchschnitt bei 85 Mitarbeitern mit einem Umsatz von 26
Tausend US-$ pro Mitarbeiter. Preisvorteile gegenüber westlichen
Informatikern begünstigen die Entwicklung, wobei aber dies keinesfalls
eine Minderung der Qualität bedeutet. Die Gesamtkosten liegen
entsprechend den von einzelnen Unternehmen veröffentlichten Angaben bei
ca. 40 DM pro Stunde oder 12 Tausend
Innovative Software-Firmen sind in der Regel international agierende Unternehmen. 77 % der Unternehmen verweisen so auf internationale Kooperationsbeziehungen. 48 % benennen eine Kooperation mit den USA und 44 % eine Zusammenarbeit mit deutschen Einrichtungen. 99 % verweisen auf Englisch als Arbeitssprache; lediglich 38 % verfügen über eine Kooperationsmöglichkeit in Deutsch. 35 % der Einrichtungen haben Niederlassungen in anderen Städten, einige von ihnen im Ausland, darunter in den USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich oder Japan. Messen, insbesondere internationale Messebeteiligungen, spielen eine große Rolle in der Entwicklung dieser Unternehmen. Besuch oder Beteiligung an der CeBiT Computer-Messe in Hannover ist für Unternehmen mit einem hohen Anspruch zu einem "Muß" geworden. Auf Messebeteiligungen verweisen 55 % der dargestellten Firmen. Zu beachten ist, daß sich in Osteuropa eine Reihe interessanter Messen für den IT-Bereich entwickelt, zu denen z.B. die boomende Infobalt in Vilnius, die SofTool in Moskau, die Inwekom in St. Petersburg oder Internet-Messen in Novosibirsk gehören. Auch die sich dynamische entwickelnde INTERNET-Welt Osteuropas mit eigenen Suchmaschinen und Unternehmens-Datenbanken verdient Beachtung. Die vorliegende Katalog ist ein erstes Angebot und stellt eine Auswahl von Firmen dar. Wir danken den Unternehmen, die bereitwillig ihre Daten zur Verfügung gestellt haben. Gedankt sei dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie für die Förderung dieses Vorhaben. Ebenso danken wir den Partnern und Sponsoren der Soft-East-Initiative, die im Rahmen der BiK-Computermesse in Leipzig die Gestaltung einer Osteuropa-Software-Kooperationsbörse ermöglichten. Wir würden uns freuen, wenn dieser Katalog dazu beiträgt, die Kooperationsbeziehungen zu entwickeln und vor allem hilft, Vertrauen in dieses wichtige Feld der Ost-West-Kooperation zu schaffen und die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für gemeinsame Kooperations-projekte zu verbessern.
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| Dr. Bernd
Gross, Geschäftsführender Vorstand Brücke-Osteuropa - Arbeitsgemeinschaft für Wirtschafts- und Technologiekooperation mit Osteuropa e.V. Albert-Einstein-Str. 14, D - 12489 Berlin |