Deutsch-Mongolische Kooperationsveranstaltungen,
Ulan Bator, 16. - 22. August 2009
         
 
 
Dnepropetrowsk und Donezk

Informationen zur Mongolei

Mit einem Territorium von mehr als 1,56 Mio. km² (4,3 mal so groß wie Deutschland) ist die Mongolei der 18-größte Staat der Welt. Nur 10 % der Fläche sind Waldgebiete und lediglich 1 % ist für Ackerbau nutzbar. Bei insgesamt nur 2,6 Mio. Einwohnern ist sie das Land mit der geringsten Bevölkerungsdichte weltweit, doch hat sich die Bevölkerungszahl in den letzten 30 Jahren verdoppelt.

Das Qualifikationsniveau der mongolischen Bevölkerung ist sehr hoch, die allgemeine Schul- und Hochschulausbildung entspricht in jeder Form dem Stand der osteuropäischen Staaten. Ein beachtlicher Teil der Techniker und Führungskräfte wurde über viele Jahre in der ehemaligen DDR ausgebildet.

Die Wirtschaft in der Mongolei ist nach wie vor in der Hauptsache agrarisch. Während es in den neunziger Jahren bis 2002 eine Stagnation in der wirtschaftlichen Entwicklung gab (mit Wachstumsraten von +3 bis -3 Prozent), ist in den letzten Jahren ein Wirtschaftswachstum von jeweils knapp 9 % zu verzeichnen, im Jahr 2007 lag es bei 9,9 %. Dieser Anstieg ist vor allen Dingen auf den Dienstleistungssektor und die gestiegenen Weltmarktpreise für Rohstoffe, wie Kupfer und Gold zurückzuführen (54 % der Exporte sind Kupfer und Gold). Im Jahr 2007 lag das BIP bei rund 3,8 Mrd. US$, was einem Pro-Kopf-BIP von 1.500 US$ entspricht. Dieses hat sich seit 2004 verdoppelt.

Die Mongolei ist reich an Bodenschätzen, so an Kohle, Flussspat, Kupfer, Erdöl, Gold, Silber, Nickel und Molybdän. Sie gilt als eines der 10 rohstoffreichsten Länder der Welt. 6.000 Vorkommen mit 80 verschiedenen Mineralien (unter anderem circa 2% der Welt-Uran-Reserven) sind nachgewiesen. Die Kohle- und Kupferlagerstätten von Tavan Tolgoi und Oyu Tolgoi in der Südgobi gehören zu den größten der Welt.

Im Zusammenhang mit den stark gestiegenen Rohstoffpreisen auf dem Weltmarkt wurde seit dem Jahr 2000 in der Mongolei der Bergbau stark ausgebaut. Zahlreiche ausländische Investoren haben unter Missachtung von Genehmigungsverfahren und Umweltauflagen im Tagebau Lagerstätten abgebaut. Nicht nur russische und chinesische Firmen haben sich hier engagiert, sondern auch international bekannte Unternehmen aus Kanada und Australien.

Hauptwirtschaftszweig in der Mongolei ist neben dem Bergbau (70 % der Industrieproduktion des Landes) die Viehzucht. Sie ist Einkommensquelle für die Hälfte der Bevölkerung. Auch bestehen aufgrund der Überweidung große Umweltprobleme.

Die Privatwirtschaft hat unterdessen einen Anteil von 75 - 80 % am BIP, jedoch leben rund 35 % der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Es herrschen extreme soziale Unterschiede und ein starkes Stadt-Land-Gefälle. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei 3 - 4 %, nach Schätzungen der Asian Development Bank dürfte sie aber weit höher - nämlich bei 25 % - liegen.
 

Aufgrund seiner geografischen Lage und der Struktur der Volkswirtschaft ist die Mongolei wirtschaftlich abhängig von den beiden großen Nachbarn Russland und China. 95% seiner Treibstoffe und bis zu 75% seines Getreides (Weizen) und bestimmter Grundnahrungsmittel (Mehl) kommen aus Russland, mehr als 70% seiner Exporte gehen nach China (insbesondere Kupfer, Kohle und Kaschmir-Wolle).
 

Die Verkehrsverbindungen in der Mongolei sind noch unterentwickelt. Das Straßennetz beschränkt sich auf ca. 1.600 km geteerte Straßen in schlechtem Zustand. Von großer Bedeutung für das Land ist die Transmongolische Eisenbahn. Sie führt von Russland nach China und realisiert ca. 95 % des Warentransportes.

Der Außenhandel mit Deutschland erreichte im Jahr 2007 ein Volumen von 65,8 Mio. Euro, wobei die Mongolei Waren im Wert von lediglich 10,8 Mio. Euro exportiert, aber im Wert von 55 Mio. Euro aus Deutschland importiert hat. Bei den Importen handelt es sich in der Hauptsache um Nahrungsmittel, Kunststoffe, Maschinen und Anlagen, Exportprodukte sind vor allem Textilien und tierische Produkte.

Die ausländischen Direktinvestitionen fließen vor allen Dingen in den Bergbau. Hauptinvestor in der Mongolei ist China mit einem Anteil von rund 70 %, gefolgt von Kanada, Korea und Japan. Deutschland belegt mit Investitionen in Höhe von ca. 12 Mio. US$ nur Rang 17. 90 % der ausländischen Direktinvestitionen sind im Raum Ulaanbaatar erfolgt.
 

Im Rahmen der weiteren Entwicklung soll vor allem die Hochtechnologie weiter ausgebaut werden, so beispielsweise die Nanotechnologie, jedoch wird der Bergbau mittelfristig der entscheidende Wirtschaftssektor im Land bleiben. Dabei muss vor allem Wert darauf gelegt werden, die Rohstoffe im Land zu verarbeiten und so einen größeren Teil der Wertschöpfungskette im Land zu behalten.

Große Probleme hat die Mongolei auch im Umweltbereich zu verzeichnen, vor allen Dingen in den Städten werden diese durch die Verbrennung ungereinigter Rohkohle in Heizkraftwerken und den Jurten der städtischen Bevölkerung verursacht. Durch Abholzung, Überweidung und Wilderei ist die Balance des empfindlichen mongolischen Steppenökosystems in vielen Gegenden gefährdet. Eine weitere Gefahr geht von den teilweise umweltbedenklichen Abbaumethoden der Bergbauunternehmen aus.

Bauwirtschaft

Die Bauwirtschaft hat in den letzten Jahren eine sehr gute Entwicklung genommen, das Wachstum betrug im Jahr 2007 nahezu 9 %. Die Regierung unterstützt Beziehungen zum Ausland im Bereich Bauwesen, um moderne Technologien im Bereich Bauwesen und Baumaterialien zu studieren. Ausländische Investoren sind für spezielle Projekte ausdrücklich willkommen

Für den Zeitraum von 2005 bis 2008 hatte die mongolische Regierung ein „40.000-Wohnungen-Projekt“ aufgelegt und in diesem Rahmen 37.000 Wohnungen fertig gestellt. Entsprechend den Erfahrungen mit diesem Projekt wurde für die kommenden vier Jahre ein „100.000-Wohnungen-Projekt“ beschlossen.

Weitere Projekte der Regierung im Rahmen der Bauwirtschaft betreffen den Bau eines Zementwerkes mit einer Kapazität von 1 Mio. Tonnen pro Jahr, den Bau eines integrierten Eisen-Stahl-Komplexes und eines Holzverarbeitungsbetriebes sowie die Errichtung von zwei neuen Wohngebieten in Ulan Bator. Hinzu kommen private Projekte im Industrie- und Wohnungsbau.

Aufgrund der Privatisierung des Wohnungsbestandes an Plattenbauten – allein in Ulan Bator betrifft dies ca. 100.000 Wohneinheiten – besteht in der Mongolei ein hoher Bedarf an Installationsmaterialien.

Infrastruktur

Im Bereich der Infrastrukturentwicklung konnten zahlreiche Projekte beim Ausbau der rudimentären Verkehrsinfrastruktur und der Modernisierung des veralteten Energiesektors trotz Unterstützung durch IWF und Weltbank nur langsam realisiert werden.

Im Straßenbau liegt der Schwerpunkt der Aktivitäten bei der Asphaltierung der Haupttrassen, wo ein enormer Nachholbedarf besteht. Beispiele hierfür sind der Bau einer Autobahn zur Anbindung an Europa und Zentralasien mit einer Gesamtlänge von 990 km, der Ausbau der Straßen im Stadtgebiet von Ulan Bator. Gerade in diesem Bereich ist auch ein hoher Einsatz ausländischer Entwicklungshilfe angekündigt.

Darüber hinaus geht es auch um den Ausbau der Bahnlinien – z. B. den Bau einer 920 km langen Bahnverbindung zwischen Tavatolgoi, Zuunbayan und Choibalsan – sowie den Kauf von Ausrüstungen zur Wartung und Reparatur von Straßen.

Landwirtschaft

Im Bereich der Landwirtschaft werden von der mongolischen Regierung vorrangig Investments gefördert, die die Effektivität der Landwirtschaft steigern, also beispielsweise Bewässerungssysteme. Darüber hinaus geht es vor allem um die Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte – also zum Beispiel von Wolle oder Leder, aber auch um Ausrüstungen in der Lebensmittelindustrie, so zur Fleischverarbeitung. Während traditionell Fleisch, Mehl und Milchprodukte die Hauptnahrungsmittel in der Mongolei sind, werden in den letzten Jahren auch neue Nahrungs- und Genussmittel zunehmend akzeptiert, wie Eier, Gewürze oder beispielsweise Bier.

Ulan Bator (Ulaanbaatar) ist als Hauptstadt das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes. Hier leben mehr als 1 Mio. Menschen, was 39 % der Gesamteinwohnerzahl der Mongolei entspricht.

In der Stadt ist abgesehen vom Bergbau auch nahezu die gesamte Industrieproduktion des Landes konzentriert. Hier gibt es den einzigen internationalen Flughafen des Landes, auch die großen internationalen Bergbaufirmen haben ihren Sitz in Ulaanbaatar.

Ulaanbaatar liegt direkt an der Eisenbahnlinie Moskau – Peking, die jedoch hauptsächlich für den Güterverkehr von Bedeutung ist. Eine Straßenanbindung gibt es bisher nur nach Irkutsk, die Straße nach Peking befindet sich im Bau.

Nachdem Ulaanbaatar in den 80er Jahren sehr stark gewachsen war, folgte bis etwa 2005 eine Phase der Stagnation. Seit dem Jahr 2006 ist nunmehr wieder ein starker Fortschritt im Bauwesen zu verzeichnen, wobei die Infrastruktur nicht mit dem privaten Baugeschehen mithalten kann.

Der Bergbau ist der zukunftsträchtigste Bereich in der mongolischen Volkswirtschaft. Hier sind neben mongolischen Firmen vor allem Unternehmen aus Kanada, Russland und den USA beim Abbau von Gold und Kupfer aktiv. Aufgrund der sich verstärkenden Aktivitäten im Bergbausektor besteht eine steigende Nachfrage nach Maschinen und Anlagen, die im Tagebau einsetzbar sind.

In der Mongolei sind 140 Bergbauunternehmen registriert, wobei der Sektor von einigen großen dominiert wird, wie die Erdenet-Kupfer/Molybdän-Mine, Mongolrostvetmet.

Neben zahlreichen bereits etablierten Minen finden vielversprechende Explorationen statt. So ist die in der Süd-Gobi gelegene Oyun Tolgoi Gold- und Kupferlagerstätte das größte bisher in der Mongolei entdeckte Vorkommen, an dem ein kanadisches Unternehmen die Lizenz hält. Das Produktionspotenzial wird auf 660.000 t Kupferkonzentrat und 23 t Gold pro Jahr geschätzt. Der Abbau des Vorkommens hat das Potenzial, das BIP der Mongolei um 35% zu steigern und mehr als 100.000 Arbeitsplätze zu schaffen.

Weitere Erschließungsarbeiten werden in vielen Teilen der Mongolei durchgeführt, so auch für Kohle-Vorkommen. Diese Kohle soll dann beispielsweise in Wärme und Strom umgewandelt und nach China exportiert werden.

Erdenet liegt ca. 240 km nordwestlich der Hauptstadt und ist mit 87 T. Einwohnern die zweitgrößte Stadt und auch der zweitwichtigste Handelspunkt der Mongolei. Mit dem mongolisch-russischen Joint-Venture „Erdenet Combinat" befindet sich hier die viertgrößte Kupfermine der Welt. Darüber hinaus sind in Erdenet Unternehmen der Holz- und Lebensmittelindustrie tätig.

    

 

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