Bulgarien hat langjährige Traditionen bei Informationstechnologien. Führende Hardware-Hersteller, vielfältige IT-Anwendungen, qualifizierte Fachleute und eine gute Informatikausbildung von der Schule bis zur Universität kennzeichneten die Entwicklung bis 1990. Der Übergang zur Marktwirtschaft führte zu wesentlichen Änderungen. Die Hardware-Produktion wurde eingestellt, anstelle der großen staatlichen Softwareunternehmen sind viele kleine und mittlere private Firmen entstanden, internationale Computer- und Software-Hersteller vertreiben ihre Produkte über lokale Partner.
Die Informatikausbildung erfolgt nach wie vor auf allen Ebenen, und trotz der Auswanderung eines Teils der Programmierer verfügt Bulgarien über viele hochqualifizierte Fachleute im IT-Bereich. Internet- und Informationsdienstleistungen befinden sich im Wachstum, sowohl E-Commerce als auch Distance Learning haben schon auf dem Markt Fuß gefasst.
1998 wurde beim Ministerrat ein Koordinierungs-Komitee für die Entwicklung der Informationsgesellschaft gegründet und 1999 eine Strategie und ein Programm erarbeitet. Bulgarien ist aktiver Teilnehmer am Fünften Rahmenprogramm für IST, und es laufen 30 Projekte in diesem Rahmen. Mit der Hilfe von PHARE und der Weltbank sind Informationssysteme in Finanzwesen, Zoll, Statistik und Gesundheitswesen im Aufbau sowie ein Netzwerk für die öffentliche Verwaltung.
Im Privatsektor sind verschiedene Kooperationen mit ausländischen Softwareunternehmen entstanden, darunter Joint Ventures und Niederlassungen. Hervorstechende Beispiele sind Rila Solution (BG-USA), Sirma AI (BG-Kanada), PROSYST (BG-Deutschland), Nemechek (D), Noak (D), ML Informatik (D), Telecomputing (D), Interconsult (BG -Norwegen), UNISYS (USA), Brolin (USA), ISIS (BG-Deutschland).
Einige bulgarische Software-Firmen wie BIOTEAM, DATEX oder LATONA haben erfolgreich Projekte für deutsche Kunden entwickelt.
Die Kooperation mit Deutschland wird auch durch die Bundesregierung gefördert. Im Rahmen des Programms zur Wirtschaftsförderung der GTZ sind 1999 13 bulgarische Software-Unternehmen für ISO 9001 zertifiziert worden. Im Jahr 2000 gab es Teilnahmen an der CEBIT und der Systems 2000.
Der Verein Brücke Osteuropa (Berlin) organisierte im Oktober 2000 eine Kooperationsbörse für 25 deutsche und 30 bulgarische Unternehmen in Sofia. Erfolgreich endete die Vorstufe eines von der BMFT finanzierten Projekts (SEEMUNIS) für die Entwicklung einer Informationsinfrastruktur für die Gemeinden der Hauptstädte Sofia, Skopje, Tirana, Sarajevo, Zagreb und Belgrad, durchgeführt von der GMD mit der Unterstützung von ISIS (Sofia - St. Augustin) und lokalen IT-Firmen aus Südosteuropa.
Die Ergebnisse des IT-Marktes für 1999 haben ein Volumen von 153 Millionen US-Dollar, wobei die Verkäufe von Software 20,7 Millionen Dollar betragen - also 13,5 Prozent.
Für die bulgarische IT-Industrie bedeutet dies einen Zuwachs von 14,6 Prozent im Vergleich zu 1998. Von etwa 1.000 IT-Unternehmen sind 55 Prozent in Sofia. 300 davon sind Software-Unternehmen, davon entwickeln wiederum etwa 40 Prozent ihre eigenen Software-Produkte. Der Zuwachs der zehn führenden Unternehmen beträgt 68 Prozent.
Die Analyse des IT-Marktes zeigt unzweideutig, dass der Hauptfaktor für den Zuwachs und die Stabilisierung der Verkäufe in den vergangenen zwölf Monaten die staatlichen IT-Aufträge waren, die einen Anteil von 60 Prozent ausmachen. 23 Prozent der Aufträge kamen von kleinen, 14 Prozent von mittleren und drei Prozent von großen Unternehmen. Insgesamt 42 Behörden und Firmen haben Technologie durch ein System von Ausschreibungen erworben, davon 38 laut dem Gesetz über die staatlichen Aufträge.
Den Spitzenplatz mit 60,4 Millionen DM hält das Projekt des Innenministeriums für den Umtausch von Personaldokumenten. Große IT-Projekte wurden durch die Hauptverwaltung der Staatlichen Archive, die Zollhauptverwaltung, das Nationale Statistische Institut sowie die Nationale Elektrizitätsgesellschaft finanziert. Auffällig ist die verhältnismäßig schwache Aktivität der Gemeinden - lediglich zwei von 28 haben das Gesetz über die staatlichen Aufträge genutzt. Nur vier von 36 staatlichen Universitäten und Hochschulen sind mit größeren IT-Aufträgen auf dem Markt erschienen.
Fast alle Software-Unternehmen (98 Prozent) sind privat und haben durchschnittlich zehn bis 15 Mitarbeiter. Die Hauptanwendungsbereiche liegen in der Verwaltung und bei Finanzen, Bankwesen und Internetanwendungen. Als Entwicklungs-Tools sind Access, Oracle, C++, C, Java, HTML, Windows und UNIX die Marktführer. Das Fachpotenzial wird auf 5.000 Programmierer geschätzt, und jedes Jahr beenden etwa 1.000 Studenten ihre Informatikausbildung.
Der Markt für Informationsdienste ist immer noch relativ klein. Die Hauptgründe für die geringe Nachfrage liegen in der verzögerten wirtschaftlichen Umstrukturierung, trotzdem gibt es schon Ansätze für ein größeres Interesse an Wirtschaftsinformationen im Inland und im Ausland. Es gibt etwa 150 Datenbanken und Kataloge für Wirtschaft, Recht, Statistik oder Technik.
Die wichtigsten Zulieferer von Informationen sind das Nationale Statistische Institut, das Nationale Zentrum für Information und Dokumentation, die Information Services Corporation, die bulgarische Handelskammer, die bulgarische Industriekammer und private Unternehmen wie APIS, SIELA und NORMA. Die Kommunikationsinfrastruktur wird weiter entwickelt. Eine digitale Telekommunikationsinfrastruktur wurde eingeführt. Es gibt zwei Mobilfunk-Anbieter - Mobikom (NMT) und Mobiltel (GSM) mit 350.000 Nutzern.
Es wächst die Anzahl der Internetnutzer (150.000), und etwa 150 Firmen bieten Internetdienstleistungen an. Ein ATM-Netzwerk verbindet die öffentliche Verwaltung mit Netzwerken im privaten Sektor.
Um die Entwicklung der Informationsgesellschaft zu beschleunigen und hat die bulgarische Regierung in Übereinstimmung mit der E-Europa-Initiative der EU eine Reihe von Maßnahmen getroffen. Das Programm zur Entwicklung der Informationsgesellschaft wird erweitert und durch eine Reihe von Strategien und Programmen gestützt. Dazu gehören nationale Strategien zur Hightech-Entwicklung, zum E-Commerce und zur KMU-Förderung. Auch soll die Anwendung von IT in der öffentlichen Verwaltung vorangetrieben werden.
Die Koordinierung der Ist-Aktivitäten übernimmt das Ministerium für Transport und Kommunikation. Aktive Teilnehmer sind die Bulgarische Akademie der Wissenschaften, die Universitäten, der Industrieverband, aber auch private IT-Unternehmen. Ihren Beitrag leisten zudem IT-Verbände wie BAIT, BAII und die Internetgesellschaft.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen werden demnächst an die Anforderungen der Informationsgesellschaft angepasst. Die Entwürfe wichtiger Gesetze wie des Gesetzes für elektronische Dokumente und Unterschriften und das Gesetz für Datenschutz sollen bald vom Parlament verabschiedet werden.
Kontakt: International Software & Information Services, Sofia/ Sankt Augustin
Tel.: 02241/143560 / Fax: 02241/143017
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